{"id":109,"date":"2011-10-31T08:00:23","date_gmt":"2011-10-31T08:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.carstensomogyi.dbc.at\/?p=109"},"modified":"2011-03-10T21:22:43","modified_gmt":"2011-03-10T21:22:43","slug":"das-ehrgeizige-veilchen-khalil-gibran-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.carstensomogyi.de\/?p=109","title":{"rendered":"Das ehrgeizige Veilchen (Khalil Gibran)"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-93 alignleft\" title=\"Das ehrgeizige Veilchen\" src=\"https:\/\/blog.carstensomogyi.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Fotolia_444324_XS3-300x300.jpg\" alt=\"Bild Das ehrgeizige Veilchen\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.carstensomogyi.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Fotolia_444324_XS3-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.carstensomogyi.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Fotolia_444324_XS3-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.carstensomogyi.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Fotolia_444324_XS3.jpg 346w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Es war einmal ein sch\u00f6nes, wohlriechendes Veilchen, das friedlich unter seinen Freunden wohnte und sich gl\u00fccklich mit den anderen Blumen in einem abgelegenen Garten wiegte. Eines Morgens &#8211; seine Krone war mit Tautropfen verziert &#8211; hob es seinen Kopf und sah sich um. Es erblickte eine h\u00fcbsche Rose, die stolz dastand und hoch in den Himmel reichte, so wie eine brennende Fackel auf einer smaragdfarbenen Leuchte. Das Veilchen \u00f6ffnete seine blauen Lippen und sagte: &#8222;Was bin ich doch f\u00fcr ein ungl\u00fcckliches Gesch\u00f6pf unter diesen Blumen, und wie niedrig ist die Stellung, die ich unter ihnen einnehme. Die Natur hat mich kurz und arm gemacht. Ich lebe nahe der Erde und kann meinen Kopf nicht zum blauen Himmel erheben oder mein Gesicht der Sonne zuwenden, wie es die Rosen tun.&#8220; Als die Rose die Worte ihrer Nachbarin vernahm, lachte sie und meinte. &#8222;Wie seltsam ist deine Rede! Du bist gl\u00fccklich und dennoch bist du nicht imstande, dein Gl\u00fcck zu verstehen. Die Natur hat dich mit einem Duft und einer Sch\u00f6nheit beschenkt, die sie niemand anderem gew\u00e4hrte. Vergiss deine Gedanken, sei zufrieden und bedenke, dass, wer sich selbst erniedrigt, wird erh\u00f6ht werden, wer sich aber selbst erh\u00f6ht, wird zermalmt werden.&#8220;<\/p>\n<p>Das Veilchen gab zur Antwort: &#8222;Du hast leicht reden, denn du besitzest, wonach ich verlange\u2026 Du suchst mich zu verbittern in der Meinung, du seiest gro\u00dfm\u00fctig\u2026 Wie schmerzhaft ist die Predigt des Gl\u00fccklichen f\u00fcr das Herz des Ungl\u00fcckseligen! Wie streng ist doch der Starke, wenn er als Ratgeber unter Schwachen steht!&#8220;<\/p>\n<p>Die Natur h\u00f6rte das Gespr\u00e4ch zwischen dem Veilchen und der Rose. Sie trat hinzu und sagte: &#8222;Was ist dir geschehen, Tochter Veilchen? Du warst immer bescheiden und s\u00fc\u00df in all deinen Taten und Worten. Hat die Gier Eingang in dein Herz gefunden und dein e Sinne verdunkelt?&#8220; Das Veilchen antwortete ihr mit einen Ton der Verteidigung in der Stimme und sagte: &#8222;Gro\u00dfe und barmherzige Mutter, voll der Liebe und Sympathie, ich bitte dich von ganzem Herzen, mir meine Bitte zu gew\u00e4hren und mir zu erlauben, einen Tag lang eine Rose zu sein.&#8220; Die Natur antwortete: &#8222;Du wei\u00dft nicht, was du dir w\u00fcnscht. Du bist dir nicht bewusst, welche Katastrophe sich hinter deinem blinden Ehrgeiz verbirgt. Wenn du eine Rose bist, wird es dir leid tun und nutzlose Reue wird dich befallen.&#8220; Das Veilchen aber bestand auf seinem Wunsch. &#8222;Verwandle mich in eine gro\u00dfe Rose, denn ich m\u00f6chte mein Haupt mit Stolz emporheben. Und egal, was mein Schicksal sein wird, ich werde daf\u00fcr verantwortlich sein.&#8220; Die Natur gab nach und sagte: &#8222;Unwissendes und rebellisches Veilchen, ich will dir deine Bitte gew\u00e4hren. Aber wenn Ungl\u00fcck \u00fcber dich kommt, musst du dich bei dir selbst beklagen.&#8220; Die Natur streckte ihre geheimnisvollen Zauberh\u00e4nde aus und ber\u00fchrte die Wurzeln des Veilchens. Augenblicklich verwandelte sich das Veilchen in eine gro\u00dfe Rose und war h\u00f6her als alle anderen Blumen des Gartens.<\/p>\n<p>Zur Abendzeit wurde der Himmel schwer mit schwarzen Wolken, und die aufgebrachten Elemente st\u00f6rten die Ruhe des Lebens mit ihrem Donner. Sie begannen den Garten anzugreifen, indem sie gro\u00dfen Regen und starken Wind auf ihn loslie\u00dfen. Der Sturm riss die \u00c4ste von den B\u00e4umen, entwurzelte die Pflanzen, brach die St\u00e4mme der gro\u00dfen Blumen und schonte nur die kleinen, die nahe der freundlichen Erde wuchsen.<\/p>\n<p>Der abgelegene Garten litt schwer unter dem Angriff des kriegslustigen Himmels, und als sich der Sturm beruhigte und es aufklarte, lagen alle Blumen verw\u00fcstet da, und keine von ihnen war dem Zorn der Natur entkommen mit Ausnahme einer Gruppe Veilchen, die sich an der Gartenmauer verstecken. Eines der Veilchenm\u00e4dchen hob seinen Kopf und betrachtete die Trag\u00f6die der Blumen und B\u00e4ume. Dann l\u00e4chelte es gl\u00fccklich und rief seinen Gef\u00e4hrtinnen zu: &#8222;Schaut, was der Sturm den hochm\u00fctigen Blumen getan hat!&#8220; Ein anderes Veilchen sagte: &#8222;Wir sind zwar klein und leben nahe an der Erde, aber wir sind sicher vor dem Zorn des Himmels.&#8220; Das dritte f\u00fcgte hinzu: &#8220; Weil wir arm an Gr\u00f6\u00dfe sind, kann uns der Sturm nichts anhaben.&#8220;<\/p>\n<p>In diesem Moment erblickte die K\u00f6nigin der Veilchen an ihrer Seite das verwandelte Veilchen, das vom Sturm zu Boden geworfen worden war und entstellt auf dem nassen Gras lag wie ein kraftloser Soldat auf einem Schlachtfeld. Die K\u00f6nigin der Veilchen erhob ihr Haupt, rief ihre Familie zusammen und sagte: &#8222;Seht, meine T\u00f6chter, und denkt dar\u00fcber nach: das hat die Gier einem Veilchen beschert, das f\u00fcr eine Stunde lang eine stolze Rose war. Lasst diese Szene f\u00fcr euch ein Mahnmal eures Gl\u00fcckes sein.&#8220;<\/p>\n<p>Die sterbende Rose aber bewegte sich, raffte ihre letzte Kraft zusammen und sagte ruhig: &#8222;Ihr seid zufriedene schwache Dummk\u00f6pfe. Nie habe ich den Sturm gef\u00fcrchtet. Gestern noch war auch ich gl\u00fccklich und zufrieden mit dem Leben, aber diese Zufriedenheit war eine Schranke zwischen meiner Existenz und dem Sturm des Lebens. Sie hat mich in einem kr\u00e4nklichen und tatenlosen Frieden festgehalten und in einer geistigen Tr\u00e4gheit. Ich h\u00e4tte dasselbe Leben leben k\u00f6nnen wie ihr, die ihr euch in Angst an die Erde klammert\u2026 Ich h\u00e4tte auf den Winter warten k\u00f6nnen, der mich mit dem Leichentuch des Schnees bedeckt h\u00e4tte und mich dem Tode \u00fcbergeben h\u00e4tte, der sicher alle Veilchen hinwegraffen wird&#8230; Ich bin jetzt gl\u00fccklich, denn ich bin \u00fcber meine kleine Welt hinausgegangen und vorgesto\u00dfen in das Geheimnis des Universums\u2026 und das ist etwas, was ihr nicht getan habt. Es war nicht Gier, die mich getrieben hat. Als ich in die Stille der Nacht hinaus lauschte, h\u00f6rte ich, wie die himmlische Welt zur irdischen folgenden Worte sprach: In diesem Augenblick emp\u00f6rte sich mein Geist, und mein Herz sehnte sich nach einer Stellung, die h\u00f6her war als meine begrenzte Existenz. Ich begriff, dass der Abgrund den Gesang der Sterne nicht h\u00f6ren kann, und in diesem Moment begann ich mein Kleinsein zu bek\u00e4mpfen und nach etwas zu verlangen, das nicht zu mir geh\u00f6rte, so lange , bis sich mein Aufruhr in eine starke Kraft verwandelte und mein Verlangen in sch\u00f6pferischen Willen.<\/p>\n<p>Die Natur, die der Gegenstand unserer tiefen Tr\u00e4ume ist, gew\u00e4hrte mir mein Verlangen und verwandelte mich mit ihren Zauberh\u00e4nden in eine Rose.&#8220; Die Rose verstummte f\u00fcr einen Augenblick, und mit vergehender Stimme, die gemischt war mit Stolz auf die eigene Leistung, sagte sie: &#8222;Eine Stunde lang habe ich als stolze Rose gelebt. Eine Zeitspanne lang habe ich gelebt wie eine K\u00f6nigin. Ich habe das Universum mit den Augen einer Rose betrachtet. Ich habe das Fl\u00fcstern des Himmels mit den Ohren einer Rose vernommen und die Strahlen des Lichtes mit den Bl\u00fctenbl\u00e4ttern einer Rose ber\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ist jemand hier, der eine solche Ehre f\u00fcr sich in Anspruch nehmen kann?&#8220; Nachdem sie so gesprochen hatte, senkte sie ihren Kopf und sprach mit ausl\u00f6schender Stimme: &#8222;Ich werde sterben, denn meine Seele hat ihr Ziel erreicht. Mein Wissen umfasst jetzt eine Welt, die jenseits der engen H\u00f6hle meiner Geburt liegt. Das ist das Abbild des Lebens\u2026 Das ist das Geheimnis der Existenz.&#8220; Die Rose erzitterte, faltete langsam ihre Bl\u00fctenbl\u00e4tter zusammen und tat ihren letzten Atemzug mit einem himmlischen L\u00e4cheln auf den Lippen: einem L\u00e4cheln der erf\u00fcllten Hoffnung und des erreichten Lebensziels, einem L\u00e4cheln des Sieges &#8211; dem L\u00e4cheln eines Gottes.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #0000ff;\">Meine Fragen an Sie:<\/span><\/h2>\n<p>Hat Ihnen diese Geschichte gefallen?<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen Sie diesen Inhalt f\u00fcr und in Ihr eigenes Leben integrieren?<\/p>\n<p>Gibt es etwas, was sie <strong>SEIN<\/strong> wollen?<\/p>\n<p>Warum vergleichen sich die Menschen mit anderen und was bringt es ihnen?<\/p>\n<h2><span style=\"color: #0000ff;\">Meine Bitte an Sie:<\/span><\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrde es mich freuen, wenn Sie diesen Artikel Ihren Freunden, Kollegen und Bekannten weiterempfehlen w\u00fcrden. \u00a0<\/p>\n<h2><span style=\"color: #0000ff;\">Mein Dank an Sie:<\/span><\/h2>\n<p>Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihr Interesse und Ihre Leser\u00a0&#8211; Treue! \u00a0<\/p>\n<p>Bis zum n\u00e4chsten Mal &#8230;<\/p>\n<p>Ihr Carsten Somogyi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Es war einmal ein sch\u00f6nes, wohlriechendes Veilchen, das friedlich unter seinen Freunden wohnte und sich gl\u00fccklich mit den anderen Blumen in einem abgelegenen Garten wiegte. 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